Die »Verstehbarmachung« der Oper in Japan, wo während der Vorstellung Leuchtschriften der jeweiligen Texte laufen, mag für Japans historische Entwicklung folgerichtig sein, führt aber auch bei uns angewendet, zu einer auf reinen Informationswert reduzierten Sprach- und Textbehandlung. Damit wird jeder Zugang zum anders Sprechenden, zum anders Denkenden blockiert. Daß heute ausländische Gastspiele in Simultanübersetzungen untergehen, im Theaterraum Kongreßatmosphäre herrscht, auch bei uns bekannten Texten, verhindert bewußt ein Einlassen auf den Fremden, auf die fremde, die andere Welt, setzt uns einfach eine Ablenkungsbrille auf, damit der Andere nicht mehr deutlich wahrgenommen werden kann, eine Herabwürdigung sowohl des Darstellenden als auch des Zuschauenden. Die künstliche Distanzierung wie durch Gitter im Zoo läßt auch die körperlichen Vorzüge der Darstellung, die Ausformung der Sprache im Körper in den Hintergrund treten und nimmt somit die letzte Verständigung mit dem »Fremden«.
Das Eintauchen in das »Fremde«, das verlangsamte Verstehen, die genauer zu schärfende Beobachtung, sind ein Genuß, den eine fremdsprachige Aufführung dem Zuschauer bereitet, er bringt einen dem Wesen der Figuren und der Darsteller oft näher als eine schnelle, kurzgeschlossene Verständigung.